Satisfaction in Paris

Eine Short-Story von Sab Schönmayr

Schon lange war ich nicht mehr so glücklich, aber die Kombination aus Paris im Mai und einem französischen Liebhaber war eben unschlagbar. Der Lover war leider in der Arbeit und ich vergnügte mich in meinem Lieblingskaufhaus den Galeries Lafayette. Solch eine Eleganz, solche Düfte und so hochnäsige Verkäuferin gibt es nur in Paris. Ich schlenderte zwischen den Verkaufsaltären herum, fühlte Seidenhöschen, probierte den sinnlichen Duft "Poéme", staunte vor dem neuesten Design von Yamamoto und Comme les Garcons. Als ich ein paar Lackhandschuhe überstreifte, erschienen Laurents glasige Augen vor meinem inneren Blick, während ich ihn damit über die nackte Haut strich.
Ein Duft?? Wedelte eine Dame vor meiner Nase und ich konnte gerade noch verhindern, dass sie mich von oben bis unten einsprühte.
Trotzdem saß ich kurz darauf auf einem Schminkstuhl und eine zarte Französin missbrauchte mein Gesicht ziemlich energisch als Leinwand. Als ich ihr endlich entkam, war ich nicht mehr ich selbst und flüchtete mich in die ruhige Bücherabteilung.
Der Geruch von Papier und Druckerschwärze war für mich schon immer besonders aphrodisierend gewesen. Ich nahm hier ein Werk zur Hand, blätterte dort in einem Buch, las ein bisschen bis ich zu dieser Stelle kam: "...hat er mir die Chatte suciert, während ich auf ihm saß....schau mich an, forderte er. Nachdem er mich zum Jouieren gebracht hat, wurden oben und unten vertauscht.....schlug..."
Mein Atem kam stoßweise, hektisch flogen meine Augen über die Zeilen. Ich presste die Pobacken zusammen, verschlang die Wörter, umarmte sie, drückte jedes einzeln an mich und führte sie in mich ein.
Meine Hände zitterten.
Das Blut schoß in die Scham. Meine Knie hielten mich nur noch mit Mühe. Ich leckte über die trockenen Lippen.
Da meldete sich eine Stimme: he, Schätzchen, was machst du da?? Hallo, du bist hier in einem Kaufhaus, das ist keine Wort-Peep-Show ... reiß dich zusammen. Ich schlug auf die Stimme und las weiter. Spürte die Feuchtigkeit einschießen. Schluckte verlegen. Fühlte mich plötzlich beobachtet. Drehte mich schnell um. Aber niemand kümmerte sich um mich. Die Kunden wandelten mit gierigen Augen vorbei, die Hände nach den aufgestapelten Gütern gestreckt. Geldbörsen gezückt. Die hatten ihren eigenen Adrenalinstoß.
Da fiel es mir siedendheiß ein: die Kamera!!
Ich blickte hoch direkt in die Linse eines schwarzen Apparats. Das metallene Auge schien mich böse zu durchbohren. Ertappt.

« Erotische Literatur

Beim... ja, bei was... Sah mich selbst dastehen mit vor Lust verschwommenen Zügen, halboffenen Lippen, hängenden Lidern und zuckenden Händen.
Doch es war mir schon egal. Ich war nass.
Unbeirrt fraß ich den Text in mich hinein und stöhnte verhalten. Der Kaufhausdetektiv wird mich doch nicht wegen Lustdiebstahls aus einem Buch verfolgen. N´est-ce que pas?
Ich atmete kürzer, presste die Oberschenkel zusammen... Ein Druck auf die Klitoris trieb mich weg.
Der schmale Band glitt mir aus der Hand. Keuchend bahnte ich mir einen Weg durch die Kaufenden, riss einen Strumpf vom Ständer, stieß mit einer Verkäuferin zusammen, suchte verzweifelt die Toilette. Da.
Gott sei Dank. Keine Schlange.

Drinnen zerrte ich am Gürtel und an der Hose und steckt endlich mit einem kleinen Seufzer den rechten Mittelfinger in die bereits schneckige Muschi. Mein linker Zeigefinger bohrte sich in das zweite hocherogene Loch. X-beinig stand ich da wie in der Skigymnastik in der ersten Stunde. Ließ die Hüfte vor und zurück rollen, so dass die Klitoris am Handballen rieb. Die Augen geschlossen atmete ich mich in meinen Traum hinein. Auf den Knien. Hechelnd. Da hörte ich die Spülung der benachbarten Toilette und der Lustpegel verschwand flugs im Abfluß. Die Nebentür wurde geöffnet, Stöckelschuhe entfernten sich schnell auf dem Steinboden.
Da spannte ich erneut die Muschimuskeln fest um meinen Finger, was unanständige Geräusche verursachte und glitt wieder hinein in den Text, ohne mich um die Umgebung zu kümmern. Wimmerte leise. Hockte zuckend und gekrümmt auf dem kalten stinkenden Boden einer Pariser Toilette.
Mon Dieu, das ging aber schnell. Irritiert rappelte ich mich hoch, riß die Augen weit auf, gerade, dass ich mich nicht umdrehte, um zu schauen, ob mich jemand gesehen hatte.
Langsam und kopfschüttelnd zog ich mich an.

Im Hinausgehen schob ich der verdutzten Klofrau einen Zwanzigfrancschein zwischen die Finger. Mir hatte es sehr gut gefallen bei ihr.
Die Galeries verließ ich umgehend, ohne irgend etwas gekauft zu haben. Weiterhin erregt, so nach dem Motto, mit dem Essen kommt der Appetit, fuhr ich nach Hause. Für heute hatte ich genug Pariser Flair geschnuppert. Der Stadt der Liebe. Ob das so gemeint war? Piaf, zum Beispiel, je t´ai dans ma peau, ich hab dich in der Haut?
Ich freute mich auf den Abend mit Laurent ...Da fiel es mir siedendheiß ein. Ich hatte vergessen, das Buch zu kaufen. Verdammt. Ich wusste noch nicht einmal den Titel. Merde et merde.

Die blaue Eifersucht »